Pimpel - Fischen im Königreich Schweden auf Saibling und Forelle

Rubrik: Ausland / Autor: Marco / Artikel vom 09.03.2011   

Pimpeln ist eine ungewöhnliche Methode auf Saibling und Forelle zu fischen, aber im Königreich Schweden eine sehr beliebte und erfolgreiche Methode

Sicher hat der eine und der andere deutsche Angler schon mal von ”Pimpel-Fischen” gehört, aber viele haben es leider nicht, und noch weniger haben es probiert. ”Pimpel” bedeutet ja auf Deutsch was ganz anderes, nämlich die verhassten Pubertäts- und andere Pimpel im Gesicht und an anderen, weniger genannten Stellen des Körpers. In Schweden, natürlich auch in der schönsten Landschaft des Königreiches, in Härjedalen, fangen die Hände jeden ”Sweet Swede” Anglers an zu jucken und zu zucken, wenn im Frühjahr die Temperatur som um die -7 bis –10 Grad hängt, wenn die Seen noch mit dickem Eis bedeckt sind und besonders, wenn uns dann auch noch die Sonne aus blauem Himmel anlacht! Da muß man Sonnenschutzmittel dabei haben, sonst kann es sein, daß man mit einem schrecklichen Sonnenbrand zu Mütterlein nach Hause zurückkehrt! Übrigens zeigt das erste Bild unter der Rubrik den allerersten Motorschlitten der Welt mit ”Hinterkufen-Eisbohrerantrieb”, hahaha!

Schon vor Morgengrauen ist die Parole: Vorräte packen, Thermosflasche mit Kaffee füllen, belegte Brote und ein herzhaftes Stück geräuchertes oder getrocknetes Rentier- oder Elchfleisch einpacken, den Motorschlitten bis obenhin tanken und ab geht der Pimpel-Express in die Berge. Der vorwiegende Gedanke während der Fahrt ist dann, ”hoffentlich beißen die Viecher heut´”! Mit Viechern sind damit die Seeforellen und Seesaiblinge gemeint. Unterwegs kommt dann das blöde kribbelige Gefühl etwas vergessen zu haben, wie z.B. die Pimpelrute, die Eiskelle und am wichtigsten, die etwas ekeligen MADEN! Gott verbiete wenn der neu geschliffene Eisbohrer noch zu Hause im Schuppen stehen sollte! Ist die Angelkarte mit? Schnell den Schneepfutzer zur Seite ziehen, anhalten und kontrollieren. Ja, da ist sie ja! Weiter mit dem Schlitten über schneebedeckte Hochmoore, Schneetiefe über 1 m. Da sollte man lieber nicht vom Motorschlitten absteigen und neben die Spur treten, sonst versinkt man bis über die Hüften im Schnee. Da wieder raus zu kommen, wäre ohne Hilfe hoffnungslos. Weiter über Berge, durch Täler und Wälder und siehe da, da liegt ja schon der See in voller Sonnenpracht. 2 ”Pimpler”, Frühaufsteher (wir nennen sie ”Angeber”), sind schon da und bohren tüchtig was das Zeug hält ihre Löcher ins Eis!

Ja, und was ist denn nun Pimpelfischen? Wie wird das gemacht? Was braucht man dazu? Beim Pimpelfischen angelt man durch ein mit einem Eisbohrer gebohrtes Loch im Eis auf einem See. Als Angelgerät kommt eine etwa 35 – 40 cm kurze Rute zur Verwendung, entweder mit oder ohne freilaufende, jedoch einfache Rolle. Am Ende der Schnur sitzt der Haken, der meistens einen kleinen, dekorativ bemalten Bleikopf hat. Dieser ist weit verbreitet als ”Mormyska” bekannt. Der Haken wird mit einer oder zwei Maden bestückt. Etwa 50 cm oberhalb des Hakens wird ein Blinker befestigt, normalerweise silberfarbig mit blauen oder kupferfarbig mit roten Streifen oder Punkten. Pimpelruten, Köder, Blinker und alles was man zum Pimpelfischen braucht erhält man bei www.beoutdoor.se

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Pimpelfischen geschieht meistens in seichtem Wasser, so zwischen 1 – 3 m. Und WIE fischt man? Man fängt damit an die “Mormyska” mit einer Made am Haken zum Seeboden sinken zu lassen. Man merkt daß man am Boden ist, wenn sich die straffe Schnur krümmt. Dann hebt man die Mormyska etwas an und lässt sie wieder auf dem Boden aufschlagen, und hebt sie dann wieder etwas an. Das wird einige male wiederholt. Gerade DA kommt meistens der Biss. Wenn kein Biss kommt, zieht man den Köder etwa 10 cm höher, hält dort an und låsst den mit zuckenden Bewegungen vom Handgelenk ”zittern”. Dadurch fängt der Blinker oberhalb vom Haken an zu ”tanzen” und lockt die Fische an. Die entdecken schnell, daß darunter was zu fressen schwebt. Kommt wieder kein Biss, 10 cm höher ziehen und dieselbe Prozedur wiederholen. Wenn man bei 30-40 cm über dem Seeboden angelangt ist, lässt man den Köder zum Boden sinken und zieht den wieder hoch auf dieselbe Höhe. Wiederholen! Gewöhnlich kommt der Biss am Boden oder kurz darüber, weil die Fische im Winter meistens am Boden liegen und ruhen, um soviel Energie wie möglich zu sparen! Wichtig beim Pimpeln ist, ein neues Loch zu bohren, wenn man innerhalb von 15 Minuten keinen Biss bekommen hat!

Merkwürdig beim Pimpelfischen ist, daß man oft gar keinen Köder am Haken braucht. Die Fische beißen sowieso! Unglaublich? Wer´s nicht glaubt wird seelig? Ist ja auch kaum zu glauben - aber wahr.

Zum Sitzen auf dem Eis wird in Schweden meistens eine sogenannte ”Pimpelskrylla” verwendet. Diese Box enthält alles was man zum Pimpelfischen braucht, sogar einen Gleitschutz für die Stiefel. Mit der großen Trageschlaufe kann man diese leicht und bequem auf der Schulter tragen, wenn man zwischen den verschiedenen Löcher hin und her trappst. Das abgebildete Modell kann bei “Berras” in Schweden erworben werden, www.berras.se

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Pimpelfischer in Schweden verwenden oft eine kleine Hütte, einen Kastenaufbau, oder ein Plastikgestell, in Schweden ”Pimpelkoja” genannt. Die ist auf einem Schlittenanhänger mit Kufen montiert, welche an den Motorschlitten angehängt wird. In manchen hat man einen kleinen Gasheizer, welcher beim Pimpelfischen gemütliche Wärme ausstrahlt. Nun sitzt man mit warmen Hintern, vom Wind geschützt, freut sich des Lebens und hofft auf einen Biss. Im Boden sind mehrere schließbare Öffnungen angebracht, durch welche man pimpelt. Die abgebildete “Pimpel-Koja” aus Glasfiber wird in Schweden hergestellt und vertrieben, siehe www.gravoschakt.semarknadkoja.htm#Top. Und natürlich gibt es eine ganze Reihe anderer Hersteller und Modelle.

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An vielen Bergseen findet man kleine Blockhütten, die mit Pritschen und Holzöfen ausgerüstet sind. In diesen kann man Zuflucht finden, wenn ein unerwarteter Schneesturm aufkommt oder starker Wind um die Ohren heult. Man kann da auch übernachten, oder ein geruhsames Nachmittags-Schläfchen halten. Keine Buchung, keine Kosten, aber: wer zuerst kommt mahlt zuerst! Ein Holzvorrat fürs Feuer ist wie üblich auch vorhanden. Für periodischen Nachschub ist gesorgt, Dank den Angelvereinen in der Gegend. Wenn das Holz mal ausgehen sollte, bitte keine Bäume umhauen oder Zweige von Bäumen abbrechen. Das ist laut dem schwedischen ”Jedermannsrecht” NICHT gestattet. Viele Angler nehmen da vorsichtshalber selber einige Scheitel ”Notholz” mit.

Oft fährt die ganze Familie raus auf die Seen, Männlein, Weiblein, Feuchtnasen, der Familienhund, “Katz und Maus – aus dem Haus”! Der Hund hat ja kein pinke-pinke für eine Angelkarte, trotzdem fischt er, wie auf dem letzten Bild deutlich zu sehen ist. Aber seine Hauptaufgabe ist es aufzupassen, dass kein Königs- oder Fischadler dem Herrchen die Fische klaut! Das sollte aber dann doch schon ein größerer Hund sein, da nämlich kleine Hunde (und Katzen) regelmäßig von Raubvögeln geschlagen werden!

Und wie überall beim Fischen, gibts auch hier unglaubliche Geschichten, die immer wieder und unermüdlich am Lagerfeuer verzapft werden. Geschichten die man nie vergisst! Eine davon erlebte der Einheimische Evert K. Er war voll am Pimpeln, als ein schöner Saiblig anbiss. Nach einem längerem Kampf geschah, was eigentlich nicht geschehen dürfte. Die Schnur schabte an der Kante vom Eisloch und riss ab! Damit war auch ”roter Rudi” rutz-putz-weg! Vier Stunden später und etwa hundert Meter vom Loch des Geschehnisses entfernt, hatte er wieder einen kräftigen Biss. Nun passte aber Evert auf wie ein Luchs. Als er endlich den Saibling erfolgreich durch´s Loch ziehen konnte, sah er mit großen Augen und völliger Überraschung, daß der einen zweiten Haken im Maul hatte, zusammen mit seinem Blinker und ein paar Meter abgerissener Schnur. Genau dieselben, die er an der Rute hatte als er den Saibling vier Stunden früher verlor. Da waren noch 4 andere Pimpler um Evert herum, aber gerade ER konnte den Fisch fangen!

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Sehr beliebt ist hier auch, sich mit der Schaufel eine Schneegrube zu graben, in welche die mitgebrachten Rentierfelle gelegt werden. Da bleibt das Hinterteil schön warm wenn man in der Grube sitzt oder liegt um jeden Sonnenstrahl förmlich aufzusaugen. Was wärmeres als ein ungegerbtes Rentierfell gibt es nicht, da die Haare der Tiere hohl sind und damit eine ausgezeichnete Isolierung gegen Kälte bieten. Es ist also kein Wunder daß die Tiere bei 40-50 Grad Kälte, im Schnee eingegraben, überleben! Feuer machen in freier Natur, die frisch gefangenen Forellen und Saiblinge direkt am Ufer grillen, als Zutat die in Schweden so bekannte und beliebte ”Kolbulle”, die Mahlzeit der alten Holzfäller von anno dazumal. Da fühlt man daß man LEBT.

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Und wenn man dann auch noch den ”Åke” trifft, sein Spitzname ist ”Ceddis”, dann ist das Glück vollendet. Der ist der absolute Champion in der Gegend wenns ums Angeln geht. ”Ceddis” ist ein herrlicher Mensch und Angler mit Leib und Seele. Was der nicht übers Pimpeln weiß, ist nicht wert zu wissen. Das Beste dabei? Er ist stets hilfsbereit und zeigt jedem gern “wie´s gemacht wird”! Damit Sie “Ceddis” auch erkennen wenn Sie mal bei uns zum Fischen vorbeikommen, hier folgend ein paar Bilder von ihm und seinem treuen Kumpel, Mithelfer und Anglerfreund ”Kompis”, was auf Deutsch passend KUMPEL heißt!

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Was schöneres kann es kaum im Leben eines Anglers geben, nur einmal dabei zu sein, nur einmal in Schweden ”pimpeln” zu können? Das zu erleben IST Leben! Sehen Sie gern mal rein auf www.fiskeihede.info.se und sehen Sie selber was hier für Fische gefangen werden. Und nur keine Angst, es sind genug da, auch für SIE! Viel Spaß beim Surfen auf unserer schwedischen Homepage für Angler!

HERZLICH WILLKOMMEN ZUM PIMPELN IN HÄRJEDALEN!

Unsere Homepageadresse: www.bokaharjedalen.se

Unsere Mailadresse:

Wenn Sie es eilig haben undoder weitere Auskunft brauchen, können Sie auch unseren Ansprechpartner in Deutschland anrufen (Abends und Wochenende):

FRANK RUPP
Telefon 05906 – 7000

Bericht und Bilder von Horst Kuehne

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