Eisangeln in Schweden auf Hecht, Forelle, Saibling - Tipps, Köder, Montagen

Rubrik: Ausland / Autor: Marco / Artikel vom 25.01.2011   

Beim Eisangeln in Schweden muß man viel beachten, aber mit den richtigen Tipps, Ködern und Montagen fängt jeder eine Forelle, Saibling, Hecht usw.

VROOOOM! Geb´Vollgas, rief mir mein Kumpel zu als er selbst den Gashebel seines Motorschlittens auf Anschlag drückte, ”eine große Schneewehe voraus”! Gut dass wir Funkradioverbindung in unseren Helmen hatten, sonst wäre eine Verständigung unmöglich gewesen. Als wir die ”Scooter” über die riesige Schneewehe am Seeufer jagten, lag der im Sonnenschein glitzernde, eisbedeckte See in voller Pracht vor uns. Die schneebedeckten Berge umramten den ganzen See, schöner als der Ramen um das Gemälde der Mona Lisa. Blauer Himmel soweit das Auge reichte, an welchem ein paar herrliche Königsadler ihre Kreise zogen, in der Hoffnung einem Angler unbemerkt einen Fisch zu mopsen. Die Temperatur lag bei nur -4 Grad. Also beste Voraussetzung für einen erfolgreichen Angeltag. Ich spürte es in allen meinen alten Knochen - heute Abend wird es gegrillte Forelle, Saibling oder ein dickes in Butter gedünstetes Hechtfilet zum Abendbrot geben!

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Im Winter ist es die weitaus beliebteste Freizeitbeschäftigung, mit dem Motorschlitten in die Berge zu fahren, um dort auf den zugefrorenen Bergseen Eisangeln zu betreiben. Das Fahren mit dem Motorschlitten nimmt einen beträchtlichen Teil des Lebens der Schweden ein. Ein Ausflug mit dem ”Bock” am Wochenende ist ein MUSS, da jucken so einige Hintern ganz fürchterlich. Dann ist im Dorf keine Maus zu sehen, geschweige denn Menschen. Ist ja auch verständlich, wenn man auf den Touren äsende Elche, riesige Rentierherden und Auerwild in den Kiefernwipfeln sehen kann. Hat man Glück, kann man sogar einen Wolf oder Luchs auf der Jagd nach Schneehasen oder Rauhfußhühnern beobachten! Im mittleren und oberen Teil des Landes steht in den meisten Häusern mindestens ein Motorschlitten, in vielen sogar zwei oder drei! Die ”Schneekutsche” ist hier genau so wichtig wie der Wagen, da wir hier etwa 6 Monate im Jahr so viel Schnee haben, dass man glaubt in dem weißen Zeug zu ”ersaufen”. (Wie das nun gehen soll?)

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Es gibt verschiedene Methoden für Eisangeln. Eine davon ist Angeln mit der etwa 35 cm langen (kurzen) “Pimpelrute”, eine andere ist mit “Stickups” und Knallkork, in Schweden “Angeldon” genannt. Gott weiss wie man diese Dinger auf Deutsch nennt, vielleicht “Spazierstock für lahme Enten”? Wie dem auch sei, bei allen Methoden muss zuerst mal ein Loch ins Eis gebohrt werden, welches normalerweise 30-50 cm und manchmal bis 1 m dick ist. Das Eisbohren geschieht meist mit einem Handbohrer, wobei das Loch einen Durchmesser von 110 - 200 mm haben kann, je nachdem welche Stärke Bohrer benutzt wird. Natürlich gibt es auch Eisbohrer mit Motor. Man sollte vorher bedenken, wie groß das Loch im Eis werden soll und dementsprechend einen dafür geeigneten Bohrer verwenden. Es kann durchaus vorkommen, dass manche ”arbeitsscheue Faulpelze” einen zu kleinen Bohrer verwenden, nur um ”Schweiß zu sparen”. Dann beißt ein 20-pfündiger Hecht an und dann ist echt det Deubel los! ”Murphy´s law” war wohl das Letzte womit man gerechnet hatte! Dann steht man da, voller Panik, möchte sich am liebsten vor Wut auf die Stiefel kotzen, und weiss nicht wie man den ”Wasserwolf” durch das zu kleine Loch bekommen soll. Das ist leider keine Seltenheit! Man sollte deshalb stets ein Beil mithaben, um das Loch bei Bedarf vergrößern zu können. Da ist es ein Vorteil, wenn man zu Zweit ist, einer hält die Schnur mit dem Fisch fest, der andere hackt das Eis mit dem Beil auf wie ein kanadischer Lumberjack. Natürlich mit Schweißperlen auf der Stirn vor lauter Angst und Panik dass ”der Große” davonkommt.

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Beim Eisangeln benutzt man die üblichen, in Fachgeschäften erhältlichen, etwa 30 cm langen, hölzernen ”Stickups” (kleine Stecken). Diese sind mit einer einfachen, freilaufenden, mit Schnur bezogener Holz- oder Plastikrolle, ausgerüstet. Man bohrt wie üblich ein Loch ins Eis. Dann nimmt man mit der Eiskelle die Eisspäne aus dem Loch heraus, häuft es gleich daneben auf, steckt sofort den Stickup aufrecht und leicht vom Loch weg gebeugt ins Eishäufchen und tritt die nassen Eisspäne mit dem Stiefel leicht an. Innerhalb weniger Minuten ist der Stecken fest angefroren und nicht einmal die größten Fischflossen können den dann bewegen oder gar losreißen.

Danach setzt man den etwa 35 cm langen, flachgewalzten Draht mit dem roten Holzscheibchen nach oben in die dafür vorgesehene Öse im Stecken ein, macht je nach gewünschter Ködertiefe einen ”Schlaufenknoten” in die Schnur, legt das Schläufchen über die Spitze des vorne nach oben gebogenen Drahtes, spannt hinten am Stecken die Schlagvorrichtung und setzt einen Knallkork ein.

Anstatt des normalen Hakens kann man auch die hier beliebte ”Gäddsax” (Hechtschere) an der Schnur befestigen, damit der Räuber keine ”Biene macht”! Bei einem Biss gleitet die Schnur von der Drahtspitze, der Draht schnellt zurück und löst die hinten am Stickup angebrachte Vorrichtung für Knallkorken aus – PANG! – FISCH AM HAKEN - GOTCHA!

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Als Köder verwendet man hier droben am großen Hechthaken oder der ”Hechtschere” einen kleinen Fisch, normalerweise ein Rotauge. Bitte beachten: lebende Fische dürfen in Schweden nicht als Köder verwendet werden! Am kleinen Haken verwendet man eine Made oder einen Erdwurm. Beim kleinen Haken hat man etwa 30 cm über dem Haken einen Blinker in beispielsweise Kupfer mit roten Streifen, oder Silber mit blauen Streifen an der Schnur angebracht. Dieser dient hervorragend dazu, durch seine Bewegung im Wasser die Fische anzulocken. Natürlich gibts es auch Angler, die ihren ganz eigenen Köder und eigene Methoden haben! Totsicher für einen Erfolg ist, wenn man einen ”Alten” auf dem See Eisangeln sieht, nimmt das Fernglas heraus und schaut sich den Ollen genau an, was der macht und wie er es macht. Unverschämt YES, aber garantiert die beste Methode Frauchen ein paar schöne Fische mit nach Hause zu bringen. Die hat nämlich vermutlich alle Rosen satt, und würde lieber von ein paar schönen in Butter gebratenen Forellen satt werden.

Eisangeln, besonders der ganze Zirkus drumherum, macht unglaublich viel Spaß! Man macht sich ein Feuer mit mitgebrachten Holzscheiteln, kocht einen erlabend starken Kaffee, legt ein Steak auf den Grill, sitzt schön warm auf einem Rentierfell und geniesst das Leben in vollen Zügen. Hat man mehrere Stickups auf dem Eis, manche Angler haben 20 - 30 aufgestellt, und alle fangen gleichzeitig an zu knallen, kann es dem Angler schwer fallen zu wählen, zu welchem er zuerst hinrennen soll. Da wird schon ab und zu mal in aller Hast ein Tässchen frischgekochter Kaffee (oder was ”Schärferes”!) auf dem Eis und der Hose verschüttet und es gibt immer wieder großes Gelächter auf den Seen! Was aber am allerschönsten ist, ist dass alle Schweden stets bereit sind zu helfen und guten Rat aus langjähriger Erfahrung mit anderen zu teilen. Kameratschaft wird hier mit großen Buchstaben geschrieben, und wer mal ohne Fische nach Hause fährt ist selber schuld.

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Allein die Fahrt mit einem modernen Highpower Motorschlitten ist einen Besuch in Schwedens schönster Landschaft Härjedalen wert! Ich selber wohnte einige Zeit in Kanada, und unsere Natur in Härjedalen ist fast die Gleiche. Ich nenne Härjedalen aus diesem Grund ”mein kleines Kanada”. Hier mit dem Motorschlitten über die Berge, durch tiefe Wälder, über zugefrorene Seen und flache und weit offene Hochmoore zu fahren ist ein Erlebnis ohne Gleichen. Das ist Freiheit, echte Freiheit, im wahrsten Sinne des Wortes! Wer das noch nicht getan hat, weiss weder was Leben noch was Freiheit bedeutet. Bemerkenswert ist außerdem, dass man im Winter mit dem Motorschlitten Stellen und Plätze erreicht, die man im Sommer und Herbst nie mit dem Wagen und zu Fuß nur unter großen Strapazen erreichen kann. Das MUSS man erleben, bevor der ”Sensenmann” an die Haustür hämmert!

Wer Eisangeln mit Stickups mal versuchen möchte und das Erlebnis von absoluter Freiheit am eigenen Leibe erleben möchte, kann sich zwecks weiterer Auskunft und Preisinformation vertrauensvoll an den ”Wikinger-Erik” wenden, der die Gegend wie seine Hosentasche kennt und das meiste über Jagd und Fischen weiss.

Eine kurze E-Post an naturupplevelser@bahnhof.se genügt und alle Angaben über die “Pakettour” werden Ihnen unverzüglich zugesendet.

Unterkunft in gemütlichen Hütten, Angelkarte, Ihr eigener Motorschlitten, Ihr eigenes Rentierfell als Unterlage, die benötigte Angelausrüstung, Lunch am See und persönliche Führung sind selbstverständlich im Preis eingeschlossen.

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Genießen Sie Ihr Leben in der einmaligen Natur und der absoluten Freiheit Schwedens!
Herzlich willkommen in Härjedalen und Petri Heil!

Der Bericht und die tollen Bilder sind von Horst Kühne aus Schweden.

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Name: Marco / Datum: 2011-01-31
Ein wirklich toller Bericht über das Eisangeln in Schweden. Da bekommt man wirklich Lust.  
 
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